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Bauvisite

leerBauvisitenarchiv: RiesenRäderwerk
Architektur: Mathis Barz

leer25.10.2002 | 16:00

leerVeranstaltungsort: Adresse: 1020 Wien, Prater 90
Erreichbarkeit: U1 Praterstern

Riesenräderwerk

Architektur: Mathis Barz
Auftraggeber: Wiener Riesenrad
Statik: Fröhlich & Locher ZT GmbH
Ausführungsplanung: Walter Prada
Beleuchtungskonzept: Patrick Woodroffe/LDDE
Planung und Errichtung: 2000–2002

Die Neugestaltung der Kassen- und Shop-Infrastruktur des 1897 zum 50-jährigen Thronjubiläum von Kaiser Franz Joseph errichteten Riesenrades erforderte im Kontext des Wurstelpraters eine eigene Semantik. Der frühere Coop-Himmelb(l)au-Mitarbeiter Mathis Barz reagierte auf die Situation mit dem Motto „form illustrates function“. Das narrative Moment seiner Riesenrad-Infrastrukturbauten besteht in der reflektierten Umsetzung der Dualität technischer und touristischer Aspekte. Grundlage des Entwurfs ist das Reuleaux-Dreieck, das aus der Überschneidung dreier Kreise entsteht. Die schon in gotischem Maßwerk eingesetzte Synthese aus Kreis und Dreieck, auf der auch die Technik des Wankelmotors basiert, assoziiert in profanem Kontext gleichmäßige drehende Bewegungen.
Die notwendigen Räumlichkeiten für Kasse, Shop, Café, Technik und WCs sowie ein kleiner Museumsbereich sind in ein System aus drei großen und zwei kleinen Reuleaux-Dreiecken gespannt. Ein dazwischengelegtes sechstes bildet das verglaste Foyer, das die Pavillons erschließt. Zwischen dem leuchtend roten historischen „Panorama“ und dem verglasten Café liegt der mit anthrazitgrauen Blechschindeln verkleidete Kassenpavillon. Die Einstiegszone selbst, mit angegliedertem verglastem Shop, ist in Sichtbeton ausgeführt. Durch unterschiedliche Größen, Materialien, Farben, Strukturen und Abstufungen von Transparenz sind die von einer gemeinsamen Form ausgehenden Pavillons klar nach ihrer Nutzung definiert. Im Prater-Kontext ergibt sich so eine semantische Lesbarkeit jenseits ästhetischen Populismus, auch im Café mit Tischen in Reuleaux-Form und im Shop, der das übliche Sortiment an Kitsch-Souvenirs in einem ästhetisch neutralen Rahmen präsentiert. Neben der Perspektive des Fußgängers, für den der Blick durch die flachen Bauten nicht verstellt wird, definieren die Neubauten auch die Vogelperspektive, in der die formalen Zusammenhänge erst deutlich werden.

Iris Meder



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